Vor 28 Jahren war ich eine junge Mutter, die versuchte, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Aber diese Debatte von damals ist heute aktueller denn je.

 

Nicht oft spreche ich über so private Themen. Doch als ich kürzlich eine Studie zum sogenannten „Motherhood Penalty“ gelesen habe, kam vieles wieder hoch.

 

Die Forschung zeigt: Die Jahre nach dem ersten Kind sind für viele Frauen bis heute der größte Karriereknick. Wer längere Zeit aus dem Beruf aussteigt, in Teilzeit arbeitet oder wegen fehlender Kinderbetreuung zurücksteckt, zahlt oft einen hohen Preis – bei Karrierechancen, Einkommen und später auch bei der Altersvorsorge. Aktuelle Studien zeigen sogar, dass diese Folgen stärker ausfallen als lange angenommen. Besonders betroffen sind Frauen, die früh Mutter werden. (Quelle: ZEW)

 

Ich bin mit 27 Mutter geworden. Und dafür bis heute unendlich dankbar. Es ist die schönste und wichtigste Aufgabe meines Lebens.

 

Trotzdem waren die Jahre danach ein Kraftakt. Ich war über lange Strecken alleinerziehend, lernte parallel ein neues Handwerk, pendelte, arbeitete abends und am Wochenende – und hatte trotzdem ständig das Gefühl, weder dem Beruf noch meinem Kind gerecht zu werden. Jene „Rabenmuttergefühle“ oder schlimmer noch: Vorwürfe dieser Art von außen. Geschafft habe ich das nur, weil meine Eltern eingesprungen sind, wenn Dienstpläne und Kinderalltag kollidierten.

 

Vielleicht bewegt mich das Thema deshalb heute noch so.

 

Denn gleichzeitig reden wir ständig über Fachkräftemangel, wirtschaftliche Zukunft und die Frage, warum junge Menschen immer seltener Kinder bekommen wollen.

 

Aber welches Signal senden wir eigentlich?

 

Wenn Kita-Plätze Mangelware sind. Wenn Familienförderung gekürzt wird. Wenn Teilzeit pauschal kritisiert wird, obwohl sie für viele Eltern – und besonders für Alleinerziehende – oft die einzige Möglichkeit ist, Familie und Beruf zu vereinbaren.

 

So schaffen wir kein Klima, das junge Menschen ermutigt, Kinder zu bekommen, beruflich Verantwortung zu übernehmen und ihre Zukunft in Deutschland zu sehen.

 

Mich macht es nachdenklich, wie viele gut ausgebildete junge Menschen inzwischen ins Ausland gehen – auch viele ehemalige Studienfreunde meines Kindes, weil sie dort bessere Perspektiven sehen.

 

– Wie siehst du das? Welche Veränderungen braucht es, damit Familie und Karriere nicht länger gegeneinander ausgespielt werden?